10. November 2025
Da sind so Töne in angesagt schwarzhumorigen Filmen, die kann man ganzen Landstrichen zuordnen. Franck Dubosc kommt aus Frankreich, dort aber gehört HOW TO MAKE A KILLING nicht unbedingt hin. Das Ganze sieht, allein auf Europa geblickt, viel zu belgisch, isländisch, dänisch oder norwegisch aus und folgt sogar einem gewissen Schema von dort. Vom Ton her, demdunklen, bösen, abgründigen, hübsch unmoralischen.
Franck Dubosc, zuletzt tanzend in DIE RUMBA-THERAPIE, kann das. Schreibt ja auch die Drehbücher und besetzt die Hauptrollen. Im aktuellen Fall – und das mit dem Fall ist unbedingt wörtlich zu nehmen – folgt er seiner individuellen Note, indem er erneut ein eigenwilliges Menschenpaar im Mittelpunkt platziert. Wieder ein Ehepaar, um es genauer zu benennen. Michel (Dubosc) und Cathy (Laure Calamy) sind Weihnachtsbaumzüchter im Jura, dort, wo bis zum Beginn der Dreharbeiten keine Bären existierten. Dann taucht einer auf und sorgt für einen Unfall im Wald, in dessen Folge zwei Fremde ihr Leben lassen. Für die Schauspieler dieser Rollen war es nicht unbedingt der perfekte Einstieg ins Charakterfach, denn die Frau wird nach Minuten schon beim Pullern vom rutschenden Auto erfasst und der Mann, ebenfalls beim Erleichtern, von den spitzen Resten eines Baumstamms aufgegabelt. Auch ein Dritter erlebt ab einem ziemlich frühen Zeitpunkt die weitere Handlung nicht mehr. Nicht nur sein Tod erinnert an Hans Petter Mollands EINER NACH DEM ANDEREN. Norwegen, da haben wir es!
Doch, nein, wir bleiben im Jura. Das war Franck Dubosc wichtig: „Dies ist ein französischer Film mit sehr französischen Figuren, die französische Anoraks tragen. Selbst die Gendarmen sehen aus wie französische Gendarmen.“ Dubosc selbst wollte keinesfalls, dass man HOW TO MAKE A KILLING mit einem amerikanischen Film verwechselt. Kein Coen! Dafür die volle Ladung Verstrickung mit dem Problembär als Auslöser fataler Kettenreaktionen. Denn da ist eine Menge Gangstergeld im Kofferraum, Michel und Cathy sind, so knapp vor Jahresende, sehr klamm im Portemonnaie. Den meisten in ihrem Umfeld geht es nicht anders, dem Pfarrer sowieso nicht. Besonders Cathy schwingt sich zur enthusiastischen Pläneschmiedin auf, die ihren Mann mehr und mehr in die Defensive drängt. Mit Blanche, der kessen Tochter des örtlichen Polizeichefs, gibt es wie nebenbei eine nächste feine Entdeckung des französischen Nachwuchsfilms zu feiern: Kim Higelin. Und wer ist der Polizeichef? Der große Benoît Poelvoorde. Belgien, da haben wir es!
Das aktuelle Kinojahr hält übrigens noch einen letzten schwarzhumorigen Höhepunkt bereit: Genre-Genie Anders Thomas Jensen zeigt ab 25. Dezember THERAPIE FÜR WIKINGER mit Mads Mikkelsen, Nicolas Bro und Nikolaj Lie Kaas. Dänemark, da haben wir es!