14. September 2026
Toller Film, aber zu lang! Eines der journalistischen Kriterien zur Beurteilung eines Films speist sich gern aus seiner Länge. Im Vorfeld etwas von „168 min“ zu lesen, provoziert die cineastische Habachtstellung. Noch heikler sind die Zwischenfilme mit plusminus 113. Die virtuelle Schere schnippelt schon mal munter drauf los, da ist der Vorhang noch geschlossen und dann am Ende weiß man genau, was alles hätte herausfliegen können, ja, müssen.
Dass die Kinostreifen in den letzten Jahren – in echt und dem Gefühl nach - immer länger und länger wurden, verstärkt die Tendenz des Heiklen. Wobei: 168 Minuten sind schon eine mächtige Ansage und werden oftmals sogar von Inhalt und Handlung bestätigt. Wir denken an die grandiosen Werke des Türken Nuri Bilge Ceylan (da geht kaum noch etwas unter drei Stunden), an TONI ERDMANN oder STERBEN. Demnächst kommt mit Valeska Griesebachs DAS GETRÄUMTE ABENTEUER der nächste 168er. Ein starker!
Dass es sehr wohl auch anders geht, beweisen zwei aktuelle Streifen: Pawel Pawlikowskis VATERLAND mit offiziell 82 Minuten (bei einem üppigen Abspannanteil) und Sophie Beaulieus FRÜHSTÜCK BEI AUDREY mit 80. Ersterer grenzt mit dieser Beschränkung und Literatenfamilie Mann als Thema an ein Lauflängenwunder, die französische Komödie betont mit ihrem knapp bemessenen Raub von Lebenszeit die flotte Note des Sujets und wird dadurch überhaupt erst sehbar.
Gewürzte Kürze, schöner Trend! Auch dieser Blogeintrag will da in nichts nachstehen.