28. Mai 2024
An dieser Stelle kommt die nächste kleine Überblickshilfe zum Kaschieren verpasster (Kino-)Gelegenheiten. Filme, denen auf der Leinwand mehr oder (manchmal leider) weniger Interesse und Erfolg beschieden waren, sind jetzt nach geregelter Sperrfrist für daheim zu erwerben beziehungsweise auszuleihen. Wie stets gilt: Es geht immer auch um die erfüllte Lust aufs wiederholte Sichten.
Bei den jüngsten, den 25. Französischen Filmtagen im Ost war DOGMAN nochmals im Einsatz, dort als Luc-Besson-Special. Deshalb sei hier nur auf den Mehrwert von DVD und/oder Blu-ray (erschienen bei Capelight) verwiesen: kurze Interviewsequenzen mit Regisseur Besson, Hauptdarsteller Caleb Landry Jones und Clemens Schick, ein Fünf-Minuten-Featurette zu den anderen extrem wichtigen Schauspielern, den pfiffigen Hunden, sowie ein Musikvideo von Sateen („Autumn Stars“), die übrigens Luc Bessons Tochter ist.
Essenziellen Bonus zu einem nächsten atemberaubenden Film aus dem Vorjahr gibt es leider nur in der Blu-ray-Edition. Dort aber erfährt man in einem feinen Making-Of viel vom Entstehungsprozess des spanischen Thrillerdramas WIE WILDE TIERE von Rodrigo Sorogoyen (erschienen bei Prokino). Dies ist nun wirklich ein starker Kandidat, der mehrfach gesehen werden will! Allein nochmals in die Furchen der Gesichter von Menschen zu blicken, die sich in einem spanischen Dorf so verbissen wie ohnmächtig aneinander reiben und dabei bis zum Letzten gehen, ist ein Ereignis.
Zwei Ereignisse hat im letzten Jahr auch Altmeister Wim Wenders erschaffen, vor allem im Spielfilmbereich kam es überraschend. Doch mit PERFECT DAYS und einer entspannten Japanreise ist es ihm gelungen – zart, poetisch, lebensweise und klug. Als relevanter Bonus von DVD und Blu-ray ist mit „some body comes into the light“ ein neuer, achtminütiger Schwarzweiß-Kurzfilm von Wenders zu sehen, der eine feinsinnige Performance des auch im Langfilm agierenden Tänzers und Schauspielers Min Tanaka zeigt. Und im Booklet gibt’s die Bastelanleitung für Hirayamas Blumentopf aus Zeitungspapier …
Für seine stilvollen Künstlerporträts, die ins Kino wollen und unbedingt dorthin gehören, ist Wim Wenders längst bekannt. PINA und DAS SALZ DER ERDE über die Tänzerin und Choreografin Pina Bausch und den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado bleiben auf Dauer richtig stark. Für ANSELM – DAS RAUSCHEN DER ZEIT vermischen sich Dokument mit Inszenierung, enorme Bilder mit allegorischer und philosophischer Sprache. Der bildende Künstler Anselm Kiefer wird zudem biografisch greifbar. Mit Zuschauerzahlen von 450 000 beziehungsweise 110 000 gehörte Wim Wenders mit beiden Werken (erschienen bei DCM) unzweifelhaft zu den Siegern der Herzen im Kinojahr 2023. Und darüber hinaus.