Sa 05.09. 18:25

Steckerlfischfiasko

Deutschland 2026 101 min

Regie: Ed Herzog

Darsteller: Sebastian Bezzel, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff

FSK: 12

Ein neuer Fall für das bewährte Dreamteam Franz Eberhofer und Rudi Birkenberger: Der örtliche Steckerlfischkönig wird tot in der Wellnesslandschaft des frisch eröffneten Golfclubs aufgefunden. Franz muss nun zwischen dubiosen Volksfestclans und golfenden Schickimicki-Schnöseln ermitteln. Gleichzeitig verfolgt seine Susi ganz eigene Pläne: Sie kandidiert als Bürgermeisterin.

Man hat sie liebgewonnen, diese skurrilen, unter der bedingungslosen Sonne der Provinz so wunderbar erblühenden Gewächse – Sheriff Franz vorneweg, seine unvergleichbare Dorfamazone Susi Gmeinwieser sowieso, den schrillen Ex-Cop Rudi Birkenberger und natürlich Hinkelotta, der dreibeinige Hund. Oma nicht zu vergessen, diese warmäugige und alles zusammenhaltende Herzenswucht. Da wären natürlich all die abgefahrenen Geschichten aus diesem Niederkaltenkirchen, das gar nicht so ausgedacht scheint, ein Ort, an dem die Einweihung eines Kreisverkehrs schon als historisch gilt, ein Dörfchen, das niemals schläft, in dem sogar gemordet wird, was selbst bei Franz mehr als das schulterzuckende „Ja mei ...“ bewirkt. Aber was heißt schon Mord – es herrscht regelrechter Krieg zwischen den Dottingers und Platzhirsch Paulus, Fischbudenbetreiber seit Menschengedenken. Eine Katze soll die Ware angeknabbert haben, doch nun liegt Papsi Paulus tot im Spa ...
Nun ist ein Eberhofer-Krimi eine komplexe Angelegenheit, weshalb neben dem Mord auch noch ein Verzicht anklagender Selbstversuch Rudis dem Franz im Wortsinne stinkt, der Sohnemann ein Tutu braucht und die in ihre Leo-Leggins geradezu hineingeborene Gattin Susi Bürgermeisterin werden will. Wie sehr Susi damit den amtierenden Amtsschimmel reizt, zeigt, dass er – vermutlich, um im Bild zu bleiben – sie gerade noch „als bestes Pferd im Stall“ zuschleimt, um kurz darauf der unkorrumpierbaren Dame zu attestieren, nicht mehr als eine depperte Verwaltungsschnepfe zu sein ...

Auch das zehnte Eberhofer-Abenteuer ist eine reine Gaudi, frischer Wind geht Hand in Hand mit dem furchtbaren Mief des vor sich hinkompostierenden Rudi, der Schweijksche Franz wird den Baum tanzen, die Haushaltshilfe Julika lässt die Männer süßlich werden, das Kacka-Emoji rotiert dampfend, und eine Geiselnahme im Altenheim verdient den Namen eher nicht. In Rita Falks Paralleluniversum bleibt es in aller Abgefahrenheit wunderbar bodenständig, selbst Genderdebatten geraten hier eher herzlich als ideologisch vergrätzt, und da in diesem mit Western-Momenten aufwartenden Scharmützel schließlich sogar Platz für einen Romeo-und-Julia-Wink ist, sollte man sich spätestens jetzt mindestens eine zünftige Therapie-Halbe beim Wolfinger gönnen. Michael Eckhardt