So wie „I, Daniel Blake“, für den Ken Loach vor einigen Jahren zum zweiten Mal mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, spielt auch „Sorry we missed you“ in der nordenglischen Stadt Newcastle. Die universelle Geschichte beschreibt das Schicksal eines Paketzustellers.
Einst bewohnten die Turners ein eigenes Haus, doch nach der Finanzkrise 2008 mussten sie es verkaufen und wohnen nur noch zur Miete. Während die Mutter Abbie einen relativ festen Job als mobile Krankenschwester hat, schlägt sich ihr Mann Ricky von Aushilfsjob zu Aushilfsjob durch. Zwar war er nie wirklich arbeitslos, doch das Geld reicht dennoch vorne und hinten nicht.
Doch nun scheint sich sein Los zu wenden: Er bekommt einen Job beim Paketdienst, jedoch nicht als Festangestellter, sondern als Selbstständiger. Und das bedeutet, dass er sich täglich einen Lieferwagen mieten muss, auf Zeit arbeitet und für jede verspätete Lieferung Strafe zahlen muss. Um die Situation zu verbessern, überredet Ricky Abbie, ihr kleines Auto zu verkaufen, damit er sich einen eigenen Lieferwagen kaufen kann. Doch was als Beginn einer erfolgreichen Selbstständigkeit gedacht war, erweist sich rasch als Anfang vom Ende jeder Hoffnung.
Mit größter Genauigkeit beschreibt Loach die Strukturen der modernen Gig Economy, bei der Arbeitnehmern die Vorzüge der Selbstständigkeit vorgegaukelt werden, die jedoch in Wirklichkeit zu einer Reduzierung von Sozialstandards und Arbeiterrechten führt. Im neoliberalen Streben nach ständiger Optimierung und Einsparung, werden alle Mittel angewandt, um Arbeitnehmer zu benachteiligen: Die mobile Krankenschwester wird nicht nach Stunden bezahlt, sondern pro Patienten. Die Fahrzeiten dazwischen sind somit nicht entlohnt, das Zeitfenster für jeden Patienten wird dazu immer kleiner, die Erwartungen dennoch immer größer.
Start: 30.01.2020