Rezension Körners Corner

One to One: John & Yoko

Großbritannien 2024 100 min

Regie: Kevin Macdonald, Sam Rice-Edwards

Dokumentarfilm

FSK: 12

Die beiden hatten sich gesucht und gefunden: Die avantgardistische Multimedia-Künstlerin Yoko Ono und der Mitbegründer der „Beatles“, John Lennon, waren seit 1969 verheiratet, konnten aber in England keine Ruhe finden. Yoko Ono sah sich immer häufiger mit rassistischen und sexistischen Vorwürfen konfrontiert. Ihr wurde in der Öffentlichkeit oft die Schuld an der Trennung der „Beatles“ zugeschrieben – manche dieser Vorurteile existieren bis heute. Dass die beiden England in Richtung New York verließen, hatte daher vielleicht etwas von einer Flucht, aber es wurde ein Neuanfang daraus.

Rezension: Körners Corner

Der Dokumentarfilm von Kevin Macdonald und Sam Rice-Edwards spannt in vielen bisher unveröffentlichten Aufnahmen – der gemeinsame Sohn der beiden, Sean Ono Lennon, lieferte einen großen Teil der privaten Dokumente und Aufnahmen, sowie in TV-Bildern und Ton-Dokumenten den Bogen von der Ankunft des Paares in New York bis zum legendären „One to One“-Konzert. Es wurde der einzige Live-Auftritt mit John Lennon nach der Trennung der Beatles: ein Wohltätigkeitskonzert im August 1972 zugunsten der misshandelten und verwahrlosten Insassen des Willowbrook-Kinderheims in der Nähe von New York, der weltweit größten Einrichtung für behinderte Kinder.

Ein großer Teil des Films, der in seiner kaleidoskopartigen Struktur manchmal so aufgeregt (und aufregend) wirkt wie ein Tag in New York und lediglich in den dankenswerterweise ausgespielten Songs ein bisschen zur Ruhe kommt, spielt in dem nachgebauten Apartment von John und Yoko. Bis in die kleinsten Details – inklusive ständig laufendem Fernseher, herumliegenden Gitarren und überquellenden Aschenbechern – spiegelt es die Atmosphäre der Anfang 70er Jahre: eine Mischung aus nervösem Großstadttrubel, intellektueller Heißblütigkeit und künstlerischer Aufbruchsstimmung. Sehr hübsche, oft komische Akzente setzen Johns Telefonate mit A. J. Weberman, einem stadtbekannten Spinner, der seinen Ehrgeiz darauf verwendete, in Bob Dylans Müll zu wühlen, um den berühmten Künstler als bourgeoisen Schwindler zu entlarven, sowie Yokos Gespräche mit einer Mitarbeiterin, die für eine von Yokos Kunstinstallationen auf der Suche nach Fliegen ist. Das wird dann zu einem ziemlich drolligen Running Gag in diesem Film über ein außergewöhnliches, politisch und kulturell engagiertes Liebespaar auf ihrer Mission für Frieden und Liebe in extrem unruhigen Zeiten.

Start: 26.06.2025