Kundschafter des Friedens

Deutschland 2017 93 min

Regie: Robert Thalheim

Darsteller: Michael Gwisdek, Henry Hübchen, Thomas Thieme, Jürgen Prochnow, Antje Traue, Winfried Glatzeder

FSK: 12

In der DDR gab es Spione, sie leben noch, und sie werden noch gebraucht, und das ist der Ausgangspunkt der Komödie von Robert Thalheim.
Als in einer früheren Sowjetrepublik ein Politiker entführt wird, rekrutiert der BND vier ehemalige DDR-Spione im Rentenalter, die sich in dem Land bestens auskennen, bald aber erkennen müssen, dass sie und die Welt sich seit ihrer Wirkungszeit sehr verändert haben. Die amüsante Komödiebezieht ihren Humor aus dem Gefälle von Anspruch und Wirklichkeit der Senioren.

Erzählt wird die Geschichte von Jochen Falk, früher hochdekorierter Spion der DDR, jetzt desillusionierter Rentner, der mit Schlabberhosen und ungekämmtem Haar am Kiosk Currywurst isst und sein Einkaufsnetz mit Dosenbier füllt. Das Handwerk aber hat er nicht verlernt, was jene BND-Agenten zu spüren bekommen, die eigentlich nur mit ihm reden wollen, dann aber alle Hände voll zu tun haben, um den rüstigen Rentner wieder einzufangen. Ihr Anliegen: In der früheren Sowjetrepublik Katschekistan wurde der zukünftige Präsident entführt, und der betreuende BND-Agent scheinbar Frank Kern gleich mit. Ob Falk nicht helfen könne, schließlich kenne er sich in Katschekistan, seiner ehemaligen Wirkungsstätte, bestens aus. Falk sagt zu, unter einer Bedingung: Seine Kollegen aus alten Tagen müssen mit. Als da wären: Jaecki, der Technik-Freak und Abhörspezialist, Locke, der Logistiker und Geldbeschaffer, Harry, der sich als „Romeo-Agent“ auf die Verführung der Damenwelt spezialisiert hat. Gemeinsam macht sich das Rentnerquartett, unterstützt von Kerns Tochter Paula, auf den Weg nach Osten.

Die Komik entsteht vor allem durch das Gefälle von Anspruch und Wirklichkeit, den Widerspruch von übertriebenem Selbstbewusstsein und nachlassenden körperlichen Fähigkeiten, die Kluft zwischen Planung und Ausführung. Wenn Henry Hübchen als Falk von einer Brücke auf einen fahrenden Zug springen will, klappt das nicht mehr so wie früher, was Thalheim immer wieder aufblitzen lässt mal albern, mal komisch. Auch wird der Widerspruch zwischen Vergangenheit und Moderne verhandelt. „Der Computer bleibt aus, wir arbeiten analog“, heißt es einmal. Handwerk wird noch groß geschrieben, und „Old School“ bedeutet, dass man auch im Jahr 2017 auf altersbedingte Berufserfahrung nicht verzichten sollte. Unterschwellig, mit kleinen ironischen Sticheleien geht es auch um den Konflikt zwischen DDR und BRD, um den Mauerfall und seine gravierenden Veränderungen für die Ostdeutschen, um ihre Schwierigkeit, sich in einem anderen Gesellschaftssystem neu zu orientieren. Schließlich sind Spione auch nur Menschen.

Start: 25.09.2020