Sandra Hüller erzählt die Geschichte einer Frau, die aus einer langjährigen gewalttätigen Beziehung ausbricht, sowie von einem politischen und gesellschaftlichen System, das lieber wegschaut. Der Film zeigt, welche Machtstrukturen hinter den Fassaden stecken und wie der Staat Frauen unzulänglich schützt.
Die Erzählung wurde aus vier realen Erfahrungsberichten zu einer Geschichte verdichtet, um die Anonymität der Frauen zu wahren. Alle Ereignisse haben sich tatsächlich so zugetragen, nichts ist erfunden.
Ein Tanzpaar erschafft in einer Blackbox Bilder einer Beziehung, hochästhetisch, physisch, poetisch und lässt somit Raum für Vielschichtigkeit und Komplexität solch einer Beziehung. Den klassisch dokumentarischen Rahmen bilden Experteninterviews, die klar und sachlich die Machtverhältnisse und Beziehungsstrukturen einordnen.
„...In FASSADEN geht es um Kontraste zwischen Innen und Außen, Privatem und Öffentlichem, Glauben und Fakten, Emotionalität und Objektivität, psychischer und physischer Gewalt. All diese Aspekte sollen nicht bebildern, vielmehr sollen Assoziationsräume entstehen, die mit präzise kadrierten, sachlichen Experteninterviews in Kontrast stehen. Tanz wird als nonverbale Darstellungs- und Ausdrucksform genutzt, um innere Gefühlszustände oder Paardynamiken zu beschreiben. In der ästhetisch-expressiven Inszenierung des Körpers und einer Formung der Bewegung sehe ich Möglichkeiten die eigenen physischen Grenzen, Energien, Gefühle, Gedanken, Vorstellungen, innere Einstellungen und Erinnerungen auszuloten, die ohne Worte in Bewegung „versetzt“ werden können. Die Rolle der Animation - haptische Papierdrucke - spiegelt den mentalen Zustand der Frau wider: manipuliert und surreal.
Einen großen Zuspruch habe ich durch die Schauspielerin Sandra Hüller erfahren. Sie hat auf meine Anfrage, die Stimme des Voiceovers zu übernehmen, sofort zugesagt. Die Arbeit mit ihr war herrlich unkompliziert, dabei erzeugt ihre Interpretation des Textes dem Film einen unglaublichen Sog. Was oftmals als „Radio mit Bildern“ bezeichnet wird, ist bei FASSADEN ein künstlerisches Mittel. Denn das Problem der betroffenen Frauen ist nämlich das gleiche: Sie machen sich für die Gesellschaft aus Angst und Scham unsichtbar und bleiben es oft auch viele Jahre lang. Indem der Film keine Gesichter zeigt, imitiert er dieses Verhalten...." Alina Cyranek, Regisseurin
Start: 12.02.2026