Boy meets Girl, Junge liebt Mädchen. Ach, wenn doch alles so einfach wäre. Aber das schönste Mädchen der Welt wird von vielen begehrt; und in der harten Realität und der noch härteren Pubertät gewinnen oft Oberfläche, Aussehen und Unverfrorenheit gegen Feinsinn, Intelligenz und Witz.
Der Regisseur Aron Lehmann hat gemeinsam mit den Autoren Lars Kraume und Judy Horney das Versdrama „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand als High-School-Musical interpretiert. Im Presseheft wird dieses Experiment als „Cyrano de Bergerac meets Fack ju Göhte“ beschrieben. Das trifft es ganz gut. Mit der großen Nase ist hier der schüchterne Cyril ausgestattet, der deshalb stets gehänselt wird und sich darüber sarkastisch-fatalistisch in die Rolle des schulischen Außenseiters gefügt hat. Er flüchtet in die bessere Welt der Bücher – und, heimlich und mit goldener Maske getarnt, in die der Musik. Als „Maskenmann“ gewinnt er erfolgreich Rap-Battles gegen viel ältere und erfahrenere Teilnehmer.
Auf der Klassenfahrt nach Berlin verliebt sich Cyril in die neue Mitschülerin Roxy, die selbstbewusst, emanzipiert und witzig das eingespielte Gefüge der Klassengemeinschaft durcheinanderrüttelt – eine Gemeinschaft, die sich alles andere als gemeinschaftlich verhält und in der jede und jeder innerhalb fester Hierarchien und zugewiesener Rollen agiert.
DAS SCHÖNSTE MÄDCHEN DER WELT ist eine mitreißende romantische Komödie. Die Inszenierung legt ein Tempo vor, das sich an US-amerikanischen Vorbildern orientiert und die Zuschauer endlich mal nicht unterfordert. Die Dialoge sind zutreffend, originell und witzig, die von Robin Haefs geschriebenen und von den guten Nachwuchsdarstellern selbst performten Songs ausgesprochen poetisch; die Musik von Konstantin Scherer ist eingängiger und liebevoll komponierter Hip Hop.
Girl meets Boy, Mädchen liebt Junge. Zum Glück hat Roxy hier ein bisschen mehr mitzureden als Cyranos Angebetete Roxane. Am Ende könnten dann Feinsinn, Intelligenz und Witz vielleicht sogar gewinnen.
Start: 16.06.2025