Silberner Bär: Beste Darstellerin

20.000 Arten von Bienen

20.000 especies de abejas

Spanien 2023 125 min

Regie: Estibaliz Urresola Solaguren

Darsteller: Sofía Otero, Patricia López Arnaiz, Ane Gabarain

FSK: 6

Ein achtjähriges Kind leidet darunter, dass die Leute es hartnäckig bei seinem Geburtsnamen „Aitor“ nennen, welcher bei ihm Unbehagen auslöst. Sein Spitzname „Cocó“ fühlt sich nicht ganz so verkehrt, aber auch nicht richtig an. Bei einem Sommerurlaub im Baskenland vertraut sich das Kind seiner Tante an, die als einzige den seelischen Aufruhr in Coco wahrnimmt, während alle anderen ihren eigenen Problemen nachhängen. Cocos Mutter ring mit eigenen Sorgen und muss nun auch damit zurechtkommen, dass ihr Kind auf Identitätssuche ist.

Silberner Bär für die junge Hauptdarstellerin Sofía Otero

Im Gespräch mit Estibaliz Urresola Solaguren

Woher kommt diese Geschichte über ein Trans-Mädchen und war es eine Geschichte, die Sie schon lange im Kopf hatten?
Ich habe schon immer über Identität, Körper und Geschlecht sowie Familienbeziehungen nachgedacht und dies in meiner Arbeit zum Ausdruck gebracht. In meinen früheren Arbeiten habe ich immer wiederkehrende Fragen gestellt, wie zum Beispiel : Seit wann wissen wir, wer wir sind? Wie ist die Beziehung zwischen unserer Vorstellung von Identität und unserem Körper? Ist die
Selbstidentität nur eine intime und persönliche Erfahrung oder wird sie von äußeren Blicken beeinflusst?

Woher kommt die Metapher der Bienenzucht und was symbolisiert sie im Film?
Im Bienenstock hat jede der Bienen eine bestimmte Aufgabe, die für das Funktionieren der Gruppe notwendig ist. Der Bienenstock ist jedoch mehr als die Summe seiner Individuen. Er ist ein lebendiger Organismus, und ich dachte, das sei im Hinblick auf das Thema des Films angemessen, weil es eine Spannung zwischen dem Individuum und der Gemeinschaft gibt. Der Bienenstock wird von voneinander abhängigen Individuen regiert, und gleichzeitig spielt jede Biene eine bestimmte Rolle in ihm. Für mich war das ein geeignetes Bild, um über Familienbeziehungen zu
sprechen, wie sie im Film dargestellt werden. Darüber hinaus spielen Bienen und Bienenstöcke eine wichtige soziale und spirituelle Rolle im traditionellen baskischen Leben, dessen Kultur ich ebenfalls darstellen wollte - in der baskischen Kultur gilt die Biene als heiliges Tier.

Im Film findet ein stetiger Sprachwechsel zwischen baskisch und spanisch statt – warum haben Sie sich für diese Form entschieden?
Einen einsprachigen Film in einem solchen Umfeld zu drehen, wäre nicht angemessen gewesen, denn in der Realität, die ich beschreibe, wechseln die Menschen ganz natürlich von einer Sprache zur anderen, sogar innerhalb der gleichen Familie. Außerdem ist das Baskenland durch eine Grenze geteilt, die das Gebiet in zwei Hälften separiert. Diese Grenze stellt nicht nur eine geografische Trennung dar, sondern fungiert auch als mentale Barriere oder als Grenze, die die Protagonisten überschreiten müssen. Ökologische Studien besagen, dass die größte Artenvielfalt und der größte Reichtum an Flora und Fauna an geografischen Grenzen zu finden sind. Auch viele Sprachen koexistieren an diesen Orten, und sie sind Teil der Vielfalt der Identitäten und Kulturen, die ich zeigen wollte.

TRAILER

Start: 29.06.2023