18. Mai 2026
Nein, Churchill war es nicht! Vielleicht war es ein Statistiker des Landesamts Baden-Württemberg – so lautet eine andere von vielen Mutmaßungen. Das Zitat jedenfalls ist gern in aller Munde, wenn sich die Zahlenjongleure melden: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Wer jedoch bei den Französischen Filmtagen im Programmkino Ost gewesen ist oder bei Dani Levy zu den Jüdischen Filmtagen im Clubkino Lingnerschloss (ich war es!), wird eines bestätigen können, ohne Zahlenspiele zu veranstalten: Kino sorgt für Wohlergehen. Und, jetzt kommt das Beeindruckende: Darüber gibt es sogar eine Statistik.
Die Global Cinema Federation (GCF), die, nach eigenen Angaben, rund 70 Prozent des weltweiten (!) Kinomarkts vertritt, hat die Ergebnisse ihrer jährlichen internationalen Publikumsbefragung vorgelegt. Das Ergebnis für 2025 war so eindeutig wie grandios: Das Publikum will ins Kino. Und noch grandioser: besonders die junge Generation.
73 Prozent gaben an, Kino sei wichtig für ihr Wohlbefinden. Nur 78 Prozent bevorzugen es, Filme daheim zu schauen. 78 Prozent der U-25-Jährigen gehen gleich oft oder häufiger ins Kino als noch vor einem halben Jahr, was einem Netto-Plus von 15 Prozent entspricht. 59 Prozent empfehlen den Kinobesuch aktiv weiter, was übersetzt heißt, dass man Seh-Tipps teilt oder Gutscheine verschenkt. Ein überdurchschnittlicher Wert, der zeigt: Die Generation, die mit Streaming aufgewachsen ist, entscheidet sich trotzdem bewusst für das Kino.
Die AG Kino – Gilde e.V. wartet für Deutschland ebenfalls gern mit Statistiken auf, weil sich im Verband über 370 unabhängige Filmkunst- und Programmkinos zusammengeschlossen haben, die von über 40 Verleihern, Verbänden und Unternehmen als außerordentliche Mitglieder unterstützt werden. Die AG Kino – Gilde e.V. also unterstützt die weltweite Studie der GCF. Der positive Trend spiegele sich auch in Deutschland wider, wo der Kinomarkt seit Jahren kontinuierlich wachse und insbesondere der Arthousemarkt sogar noch starke Zuwächse erfahre. Zuletzt hätten die Mitglieder im ersten Quartal 2026 erstmals wieder Besuchszahlen über dem Vor-Pandemie-Niveau von 2019 erreicht.
Was die globale Studie aber ebenfalls zeigt: Das Publikum geht im Schnitt 2,2-mal seltener ins Kino, weil die Titel zu schnell auf Streamingplattformen verfügbar sind. Wer einpreist, dass ein Film bereits einen Monat nach Kinostart zu Hause verfügbar ist, geht sogar 3,1-mal weniger ins Kino. Umgekehrt zeigt die Studie, dass in Ländern mit stabilen, also längeren Laufzeiten der Filme dieser Effekt spürbar geringer ist. Man spricht von Frankreich, Japan oder der Schweiz. Eine wichtige Zahl, die solche Vergleiche besser rechtfertigen könnte, fehlt allerdings. Kommen in diesen Ländern an jedem Starttag auch so unfassbar viele Filme ins Kino wie in Deutschland? Mal nachhaken! Gegebenenfalls fälschen ...
Post für Andreas Körner