13. Juli 2026
Nach VIER MINUS DREI sind wieder die Clowns unterwegs und wieder mischt sich in alle Rotnasigkeit die Trauer. War es dort ein Autounfall, ist es hier Suizid. Doch nicht als Thema. AUF ZWEI RÄDERN macht die Trauerbewältigung eines Vaters, der seinen Sohn verlor, zur Säule. Und da er selbst der Regisseur ist, macht er aus dieser Säule eine kleine, fast unscheinbare, aber dennoch sehr liebenswerte Komödie. Mathias Mlekuz heißt der Mann, französischer Theater-, Film und TV-Schauspieler, Regisseur und Autor.
In Rumänien kommen die Köter, in Wien sollten sie besser keine Krümel auf der Couch ihrer Airbnb-Bleibe hinterlassen und überall lachen die Kinder wie daheim über einen schlichten Witz. Mathias und Philippe, straff Ü50, sind auf Radtour durch Europa. Losgefahren sind sie im französischen La Rochelle, passierten den EuroVelo 6, landen werden sie in Istanbul. Und bevor es ans Abwinken geht, von wegen, wieder so ein Erbauungsfilm mit Sport: AUF ZWEI RÄDERN ist anders. Diesmal aber wirklich.
Mathias Mlekuz’ Sohn Youri, der Clown, hat sich vor einem Jahr erhängt. Mit Philippe Rebbot, dem echten (!) Herzensfreund seit 20 Jahren, und Hund Lucky begibt sich nun der Vater auf einen Trip, den schon Youri unternommen und darüber ein Buch geschrieben hatte. Mlekuz/Rebbot sind beide beim Film, was bietet sich da an? Genau! Aus dem Dokumentarischen entwickeln die beiden eine bewegende und bewegliche Fiktion, improvisieren so beiläufig wie markig in den Dialogen, lassen von einem kleinen Team atmosphärische Bilder und Töne aufnehmen, haben 180 Stunden Rohmaterial und bringen es fertig, die Essenz dieser Speichenkapazität in nicht mal 90 Minuten mit der Kinowelt zu teilen. Das Teilen übrigens hat multiple Bedeutung.
Viel wird geredet, Wunderbares gesagt und gefragt, es wird geweint und vor allem auch gelacht. Es sind nicht einmal die wenigen neuen Begegnungen unterwegs, die dafür sorgen. Das Wichtige bleibt im gute Sinne bei Mathias und Philippe hängen. Weil man ihnen glaubt und bei ihnen ist, im Schmerz und in manchmal paradoxem Humor, ihrem Wunsch, das Leben zu bewahren. Ob er ein guter Freund sei, wurde Philippe Rebbot gefragt: „Nein, ich bin kein sehr guter Freund. Ich bin nachlässig, gehe nicht ans Telefon, lade niemanden ein, man kann sich nicht auf mich verlassen. Dieser Film war für mich eine Gelegenheit zu zeigen, dass ich trotzdem meinem Freund helfen kann. Ich habe nicht mit einer solchen Herausforderung gerechnet.“
Mathias Mlekuz seinerseits wollte durch die Reise etwas Erleichterung und Trost. „In mir gibt es diese Dualität. Ich bin zutiefst unglücklich wegen des Verlusts meines Sohnes und habe gleichzeitig Momente intensiver Freude. Ich bin seit Youris Tod ein besserer Mensch geworden. Mein Herz ist aufgegangen.“