31. Juli 2025
Es sei die Sache mit den drei S, die im realen Leben zur Besonderheit des weiblichen Alkoholismus heranwächst und mit viel größerem Druck der Gesellschaft einhergeht, als ihm Männer ausgesetzt sind: Scham, Schande, Schuldgefühl. Das sagte Co-Regisseurin Elsa Bennett nach ihren Recherchen für den gemeinsamen Film mit Hippolyte Dard. Doch es gibt sie, DIE GUTEN UND DIE BESSEREN TAGE. Und es gibt absurde Szenen, unfreiwillig und freiwillig komische, Momente genutzter Chancen. Als das Regieduo betroffene Frauen in Suchtkliniken traf und solche, die es längst geschafft hatten, war also nicht nur von mit Fallstricken übersäten Wegen der Frauen zu erfahren. Bennett/Dard hörten auch von Hoffnung und genau aus dieser lichtdurchfluteten Balance speist sich ihr Film, der das beschreibende Wort der Tragikomödie auf angenehme Weise verdient. Das nächste Mal verweigert sich Kino einem auf dem Tablett servierten Diskurs, sondern zeigt Menschen. Und meint sie auch.
Es gibt sie wirklich, diese Autorallyes in der afrikanischen Wüste, an denen Frauenteams teilnehmen. Ob aber jemals Alkoholabhängige auf Entzug dabei waren, steht in den Sternen. DIE GUTEN UND DIE BESSEREN TAGE nimmt sich dieses Szenario trotzdem vor und es ist filmisch allemal interessanter als das nächste (und eben schon oft gesehene) Theaterstück, das in Gemeinschaft geprobt und schließlich aufgeführt wird. Auf dem Weg zur Startlinie gibt es natürlich Verluste und Niederlagen, Fehlschläge und Erkenntnisse. Denn dass nur Suzanne, Alice und Diane im Wagen sitzen und über die Dünen Marokkos brettern und sie am Ende sogar nur noch zu zweit sind, war nicht geplant. Was noch alles nicht zu planen ist, darüber können Pfleger, Psychologen, Ärzte und Betreuer Lieder singen. Nicht jeder dürfte die Engelsgeduld eines Denis haben, der in der Klinik eigentlich für Sporttherapie zuständig ist, aber eben diese verrückte Idee der Rallye und den zweifellos mühseligen Vorbereitungen hat. Er weiß, was zählt – er ist seit zwölf Jahren trocken.
Suzanne ist Witwe und Mutter von drei Kindern, Chantal versucht schon das elfte Mal, vom Alkohol loszukommen, Diane ist trinkfeste Schauspielerin auf „Enkelinentzug“, Alice hätte gern gewusst, was ein schönes Elternhaus bedeutet. Gründe dafür, dass diese Frauen so sind, wie sie sind, gibt es zuhauf. Im Kinosaal hält man den Ball besser flach in Sachen Bewertung. Einfach genau hinschauen, es genügt! Sollte dem stabilen Franko-Cineasten dabei das eine oder andere Detail an der Bauweise dieses Films bekannt und schon liebgewonnen vorkommen: Regisseur und Autor Louis-Julien Petit hat am Drehbuch mitgeschrieben und von ihm stammen (mit der äußerst lebendigen Mischung aus professionellen Darstellern und Laien) die gleichsam beschwingt-wahrhaftigen Werke DER GLANZ DER UNSICHTBAREN und DIE KÜCHENBRIGADE.