Mi 06.05. 11:00

Schnullerkino

Silberner Bär: Beste Darstellerin Special

Rose

Österreich, Deutschland 2026 94 min

Regie: Markus Schleinzer

Darsteller: Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt

FSK: 12

Silberner Bär als Beste Schauspielerin für Sandra Hüller
In den Wirren des 30-jährigen Krieges erscheint ein mysteriöser Soldat in einem abgeschiedenen protestantischen Dorf. Schweigsam, schmal, das Gesicht durch eine Narbe entstellt. Der Fremde behauptet, Erbe eines seit langem verlassenen Gutshofs zu sein, und kann ein Dokument vorlegen, das seinen Anspruch bestätigt. Zum großen Missfallen der Dorfgemeinde. Allerdings setzt der Fremde alles daran, hier sein Glück zu finden.

Sein Streben nach Anerkennung und Akzeptanz werden aber durch sein Geheimnis erschwert: Unter falscher Identität, unter falschem Namen und unter Vortäuschung eines falschen Geschlechts hat der Soldat seinen Weg in das Dorf genommen. Doch um seine Ziele zu erreichen, wird er auch nicht vor der Unmöglichkeit einer arrangierten Ehe mit der Tochter eines Großbauern zurückschrecken. Denn wer so weit gekommen ist, hält bald alles für möglich.

Female Husbands
Bis heute werden Frauen in aller Welt aus Ermangelung eines männlichen Erben von ihren Familien in diese Position gesetzt. Die sogenannte „weibliche Geschlechtsangleichung“ wird in Teilen Afrikas, Indonesiens, Afghanistans oder am Balkan praktiziert. Sie ist Ritus oder Privileg, und wird als Verletzung der Menschenrechte und eine Form von Gewalt an Frauen angesehen, da der Geschlechtswechsel nicht aus freien Stücken praktiziert werden kann.
Historisch betrachtet stiegen auch einige Frauen in die Hose, um Berufe auszuführen, die ihnen zu ihrer Zeit verwehrt waren. Ihr Beispiel spricht vom Drang nach Entschlossenheit, sich unabhängig von Konvention und Geschlechterrollen zu verwirklichen. Wie etwa James Barry, ein Militärarzt, dessen wahre Identität erst nach seinem Tod entdeckt wurde. Oder Deborah Sampson, die sich als Junge getarnt dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg anschloss. Oder der Jazzmusiker Billy Tipton, der möglicherweise als Transperson zu definieren ist. Doch lange schon bevor sich Menschen als transgender oder lesbisch identifizierten, bevor überhaupt ein Bewusstsein oder Begrifflichkeiten existierten, gab es weibliche Ehemänner und die Frauen, die diese liebten. Weibliche Ehemänner - Menschen, denen ein weibliches Geschlecht zugewiesen wurde, die ihr Geschlecht in der Außenwahr- nehmung änderten, als Männer lebten und Frauen heirateten - waren wahre queere Pioniere. Von deren Existenz wir heute nur durch deren Enttarnung wissen.
Aber nicht nur sexuelles Begehren oder geschlechtliche Identität waren Gründe einer so gewählten Gemeinschaft. Viele Frauen gingen solche Beziehungen aus sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen ein. Nicht Romantik stand im Vordergrund dieses Bündnisses, sondern reiner Überlebenswille. Und auch hier geben uns nur Gerichtsakten Auskunft, über sehr persönliche Geschichten einfacher Menschen, die trotz enormer Risiken, Gefahren, Gewalt und drohender Strafe als Männer und deren angetraute Ehefrauen lebten.
ROSE soll, über die Tiefe der eigenen Geschichte hinaus, auch ein Beitrag dazu sein, ein Bewusstsein für diese Frauen zu schaffen.