Daniel Richter, ehemaliger Punk aus der Hausbesetzer-Szene Hamburgs, ist heute ein Star der internationalen Kunstszene.
Pepe Danquarts Dokumentarfilm geht der Frage nach, wie politisch ein berühmter Maler in einem Umfeld des turbokapitalistischen Kunstmarkts eigentlich sein kann und wie die gesellschaftliche Verweigerung des Punks der 80er Jahre in seine heutige Malerei gelangt.
Ein einziges Motiv füllt den Raum der New Yorker Galerie. Die schwarz-weiße Vorlage zeigt zwei Soldaten auf Krücken, ihre im Grabenkrieg weggesprengten Beine Seite an Seite. Fast sieht es aus, als teilten sich die Soldaten einen einzigen Unterkörper, dessen Bewegung die Dynamik des Bilds prägt. Das Motiv ist kein Klassiker der Kriegsfotografie, es stammt von einer Postkarte. Mit einem jener Motive, die die „heroische Eroberung“ von Belgien, das große Abenteuer des großen Krieges, zeigen sollten, dabei aber die hässliche Fratze der modernen Vernichtungsmaschinerie offenbarten.
Die Bilder der Galerie in New York lassen das Ergebnis der massenhaften Vernichtung menschlicher Leben in grellen Farben strahlen. Fröhlich und abstrakt scheint es von den Leinwänden, die erst auf den zweiten Blick das Grauen zeigen, das zusammen mit den figurativen Elementen, der auf wenige Linien reduzierten Dynamik vom Krieg verkrüppelter Körper, ins Bild hineinkriecht.
Daniel Richter hängt die Bilder selbst. Er stellt zusammen, setzt neu an, bildet Motivpaare und testet die Lichtverhältnisse. Es ist der letzte Schritt seines künstlerischen Prozesses. Wenig später strömen die Gäste hinein. Die Vernissage überführt die Kunstwerke in ihr Nachleben: Rezeption, Verkauf, Katalogisierung, Kunstkanon. Um das Spannungsfeld zwischen Kreation und Nachwirkung von Kunst, hier die Kunst von Daniel Richter, ist der Dokumentarfilm von Pepe Danquart gebaut.
Daniel Richter gilt als einer der bedeutendsten deutschen Maler. Er selbst beschreibt seinen künstlerischen Werdegang als Weg von abstrakter Überfrachtung zu didaktischer Politkunst, zu homosexuellen Taliban und zurück zu „modernen Sachen“. Vieles davon zeigt der Film. Kommentiert von Freunden, Wegbegleitern, Expertinnen, Kunstsammlern und an erster Stelle von Richter selbst.
Start: 02.02.2023