Luisa, eine junge Jurastudentin schließt sich in Mannheim einer Antifa-Gruppe an, in der sie anfangs nur geduldet ist. Als die Aktivisten einem rechten Netzwerk auf die Spur kommen, das Sprengstoff und Munition bunkert, wandelt sich die Milieu- und Jugendstudie zum Politthriller, der um die Frage kreist, ab wann Gewalt im Kampf gegen rechts erlaubt oder gar geboten ist. Wo greift das Widerstandsrecht des Bürgers?
Luisa studiert Jura im ersten Semester. Eine Tochter aus landadeliger Familie. Es gibt viel Platz in dem großen alten Haus mit dem prachtvollen Garten. Am Wochenende geht man auf die Jagd, das Haus birgt einen Golf-Schrank, einen Waffenschrank und viele alte Bücher. Luisas Eltern sind freundlich, nachsichtig, tolerant, auch dann, als die Tochter in eine linke Kommune zieht: Antifa. Schließlich sind wir doch alle gegen Faschismus, nicht wahr? Auch der altväterliche Spruch, „Wer mit 20 nicht Kommunist ist, hat kein Herz“, darf hier nicht fehlen.
Von den ersten Minuten an ist Luisa einerseits „die Neue“ in der Antifa-Gruppe und im besetzten Haus; andererseits gehört sie doch nie ganz dazu. Denn die Verhältnisse, aus denen sie kommt, sind allzu gesichert; ihr kann nicht wirklich etwas passieren.
Anfangs ist alles harmlos. Im Jura-Seminar geht es um Artikel § 20 des Grundgesetzes. Das darin festgeschriebene Recht auf Widerstand – „gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen“ –, zählt zum juristischen Standardwissen. Neonazis und Rechtsextremisten berufen sich auf jenes Widerstandsrecht – gegen die demokratische Ordnung.
Die Anspielungen auf die aktuelle Wirklichkeit sind mit Händen zu greifen. „Und morgen die ganze Welt“ ist engagiertes, politisches Kino, das die gängige Moralisierung des Politischen möglichst vermeidet, aber vor direkten Verweisen auf aktuelle Geschehnisse und Akteure dennoch nicht zurückschreckt.
Nicht weniger klar streitet dieser Film auch gegen die abwiegelnde Formulierung vom Rechts-„populismus“ und zeigt unmissverständlich, dass es sich um Extremisten handelt; auch, dass die Übergänge von parlamentarischen Rechtsextremisten zur gewaltbereiten oder gewalttätigen Neo-Nazi-Szene in der Praxis fließend sind.
Als Zuschauer wird man Zeuge dieser Vernetzung, da man hier gewissermaßen der Antifa bei der Arbeit zusehen kann. Der Film zeigt, was diese geschlossenen Gesellschaften der radikalen Linken den ganzen Tag so machen. Das beschränkt sich nicht auf Musik hören, gemeinsam abhängen, Fitness-Training für die nächste Demo, Plakate malen, containern oder Klamotten für Flüchtlinge sammeln. Oft genug übernehmen die Antifa-Mitglieder jene Arbeit, die man von den Behörden erwarten würde: eine engmaschige Beobachtung der Neo-Nazis, Erkundungen jener vielen Übergänge zwischen offenem Faschismus und gewalttätigem Spießertum, Identifizierung jener Garagen, in denen Mitgliederlisten der Organisation lagern, aber auch all der Keller, in denen der Sprengstoff und die Munition für den nächsten Anschlag bereitgehalten werden.
Während die erste Hälfte des Films ein Panorama des Antifa-Alltags ausbreitet, spitzt sich die Erzählung in der zweiten Hälfte auf die Entdeckung eine solchen Garage zu. Damit wird aus der Milieu- und Jugendstudie ein Politthriller, der im Kern um die entscheidende Frage kreist: Wann ist gegen Gewalt auch Gegengewalt erlaubt? Wo greift das Widerstandsrecht des Bürgers?
Start: 12.01.2021