8. November 2023
Beide jungen Menschen wurden „Fälle“ - für die Justiz, was auch immer man darunter versteht, und die internationale Öffentlichkeit. Kurnaz im Kino, das war zweimal fiktionales Erzählen (5 JAHRE LEBEN von Stefan Schaller & RABIYE KURNAZ GEGEN GEORGE W. BUSH von Andreas Dresen). Für Reyhaneh und Shole kann und soll es zunächst nur den Dokfilm geben und Regisseurin Steffi Niederzoll ist in diesem oft gnadenlosen Genre ein starkes Stück gelungen.
Reyhaneh Jabbaris Familie lebt, bis auf den Vater, jetzt in Berlin, wo auch die Interviews stattfinden konnten. Das erleichterte den Zugang, trotzdem wohnt dem Projekt enorme Brisanz inne, denn die 97 Minuten speisen sich vor allem aus heimlich gedrehtem, dann aus dem Iran geschmuggelten originalen Ton-, Schrift- und Bildmaterial, bei dem technische Qualität gottlob eine untergeordnete Rolle spielt. Die Kraft kommt aus dem Kern.
Es geht um persönliches Drama und politische Sprengkraft, um Dokumente, die von Lügen kaschiert werden sollten. Es geht um ein invasives, gegen die eigenen Menschen und dann noch einmal besonders gegen Frauen gerichtetes System. Es geht um Mut und Erschütterung. Nichts anderes sollte man von diesem Film erwarten. Und bekommen.
SIEBEN WINTER IN TEHERAN läuft am Sonnabend, 11. November, 18 Uhr im Ost, Regisseurin Steffi Niederzoll ist anwesend.
Der Film ist Teil des Programms des 19. Internationalen Filmfestivals für Menschenrechte MOVE IT! vom 9. bis 15. November im Ost, Thalia, Kino im Kasten und Zentralkino.