9. März 2026
… „Es lebe der Sport. Er ist gesund und macht uns hort. Er gibt uns Kraft, er gibt uns Schwung. Er ist beliebt bei oid und jung“. Und ja, die österreichischen Strophen sind dann bissiger als der Refrain.
Sport im Film ist eine besondere Gattung, im Spielfilm gern als Krücke für Tieferliegendes benutzt (beispielsweise Tischtennis in MARTY SUPREME oder Fußball in DAS WUNDER VON BERN oder Segeln in ALL IS LOST), im Dokumentarischen aber längst zu Hochform aufgelaufen, wie sich nicht zuletzt im herbstlichen, stets bestens frequentierten ALPEN FILM FESTVAL zeigt. Der Bergfilm ist eh weit vorn. Im März starten zwei Doks, die vorhandene Kerben schlagen – es geht aufs Wasser und Grün.
Wie war das doch gleich mit dem schönsten Nebeneffekt des Kinos? Teilhabe an einem Leben, das man selbst nie und nimmer führen würde. Als professioneller Surfer zum Beispiel, genauer, Big-Wave-Surfer mit 26,21 Meter Wellenweltrekord. „Irre! Einfach irre!“, heißt es an einer Stelle im Film und, bitte, wer würde da etwas Adäquates erwidern wollen? Sebastian Steudtner selbst findet Worte dafür, er ist dieser Surfer, der nicht nur ON THE WAVE sein will, sondern immer on the top.
Das Ausnahmetalent hatte sich in den 2000ern gegenüber den Etablierten der Brettwelt die Frechheit herausgenommen, sie, von der Lebkuchenstadt Nürnberg aus, herauszufordern. Mit 16 ließen ihn die Eltern schon ziehen, in Hawaii fand er eine zweite, dann indigene Familie, lernte alles über Helden, Technik, Kultur des Surfens und lernte sie kennen, enterte als No Name eine Szene, die bissfeste Konkurrenz kennt, Besitzansprüche und Rassismus.
Nach einer Stunde landet die vor allem bildwuchtige Doku von Peter Wolf und Axel Gerdau an einem Punkt, von dem aus sie echte Essenz bekommt, spektralfarbiger wird, noch mal interessanter. Denn Sebastian Steudtner wird hart aufschlagen und es liegt an keiner Monsterwelle, sondern am peinlichen Gehabe eines erzdoofen US-amerikanischen Surferlegendensprösslings, der ihn 2010 bei der Verleihung eines wichtigen Awards als „Stiefsohn von Hitler“ bezeichnen und ihn schwer beleidigen wird. Von da ab zieht ON THE WAVE inhaltlich an, zeigt Steudtners Weg als aggressionsresistenter Steh-auf-Typ in Europa, erst in Irland, dann Portugal, immer wieder marmoriert von spektakulärem Sport und mächtiger Natur, aber auch von Menschen, die auf einer Wellenlänge sind.
Orts- und Szenenwechsel: Wie sagte Christoph Daum, der große Philosoph, Fußballtrainer und Gourmet gelegentlicher Substanzen: „Wenn der Kopf richtig funktioniert, dann ist er das dritte Bein.“ Es waren sehr viele Beine unterwegs in jenem SOMMER IN ITALIEN. Die WM 1990 wurde gewonnen und die Köpfe von Truppe und Trainern funktionierten. Allerdings war die Akzeptanz der Methoden noch anders als heute. Oppa erzählt vom Fußballkrieg.
Ästhetisch geht die Doku von Vanessa Goll und Nadja Kölling ausgetretene Pfade hin zum Sportfilmfan mit historischem Material (inklusive „bislang ungesehenen“ Homevideos), sprechenden Köpfen, dem Besuch einiger Stationen von einst, Storys, Schwänken, Anekdoten. Dazu der Großflächenangriff des Orchesters.
Man ist also eher auf die Protagonisten angewiesen und sie liefern ab - in der angestammten Länge von 90 Minuten plus drei Minuten Nachspielzeit. Fußball ist Mannschaftssport und der Film folgt dieser Idee, versammelt 18 Protagonisten, geht mit ihnen ins einstige Teamhotel Castello di Casiglio in Erba am Comer See, raus aufs Wasser, hinein in legendäre Stadien. Es wird gelacht und geweint, denn die goldige Truppe von einst hat im Tod von Frank Mill und besonders WM-Held Andreas Brehme schon Lücken.
Karl-Heinz Riedle bringt alles Schwärmen auf den Punkt: „War ‘ne geile Zeit!“ Klinsmann, Buchwald, Völler, Möller, Matthäus, Häßler, Illgner, Littbarski, Köpke – 18 eben, plus Trainer Franz Beckenbauer aus dem Archiv. Machen wir uns nichts vor, wir wollen keine Analysen, sondern persönliche Erinnerungen! Die gibt es zuhauf und sie sind ziemlich putzig, speziell zum Freizeitverhalten der Spieler. Loddar M. sagt: „Franz hat uns erwachsen sein lassen.“ Das sagt im Grunde alles.