Körners Corner - schreiben über Film


8. September 2023

La vie, Grégory!

Ich gestehe! Im französischen Kino, das gerade in den letzten zehn Jahren nicht immer nur Freude machen sollte (es wäre auch verwunderlich), habe ich endlich wieder einen neuen persönlichen Liebling des darstellenden Spiels gefunden. Sein Name ist Grégory Gadebois. Denn er macht Filme besser, hebt sie über den Durchschnitt, springt in die Bresche, wo andere Gewerke nicht ihre besten Tage hatten (Regisseure und Drehbuchschreiber sind davon ausdrücklich nicht ausgenommen).

Sehr gute Filme muss er nicht aufwerten, dort darf er einfach sein. Typ genügsamer Bär, sehr gern einsilbig, noch lieber allein mit seinem üppigen Reservoir an winzigsten Gesichtsbewegungen, kaum merklichem Augenliderknipsen und einem leuchtenden inneren Lächeln. Sinnlichkeit muss er nicht ausstellen, Zerbrechlichkeit nicht minder. Gadebois – ein Minimalist der milden Sorte. Einer, heute 47-jährig, der vom Theater kam, direkt aus der Comédie Française hinein in einen traumhaft schönen Film namens ANGELE UND TONY (Alix Delaporte, 2011), wo er als bretonischer Fischer endlich auch im frankophilen Kino-Dresden bewegen durfte.
Im Gegensatz zu seiner gleichsam faszinierenden damaligen Leinwandpartnerin Clotilde Hesme, die hier so gut wie gar nicht mehr zu erleben war, tauchte Grégory Gadebois dann immer wieder auf, um zu erscheinen. Egal, ob nur kurz wie in Roman Polanskis INTRIGE (2020), als Ensemblespieler im herrlich schrägen Zombiestreifen FINAL CUT OF THE DEAD (Michel Hazanavicius, 2022) oder in einer feinsinnigen Hauptrolle als Koch für À LA CARTE! (Éric Besnard, 2021).
Besnard übrigens hat danach gleich eine zweite große Rolle für ihn geschrieben und meint: „Ich habe diese Figur geschaffen, weil ich wusste, dass er sie spielen kann. Er bringt mich dazu, den Beruf des Schauspielers zu lieben.“ Lambert Wilson, Gadebois’ Partner in DIE EINFACHEN DINGE, sagt ebenfalls nur schöne Sachen über ihn: „Ein Mann mit weichem, reinen Herzen. Einer, den man nicht mehr oft antrifft. Er ist höflich und elegant, sanft und aufmerksam und das mit allen Menschen. Er ist phänomenal, aber auch ein harter Arbeiter.“
Schauen wir Grégory Gadebois also beim Arbeiten zu am 19. September zusammen mit Regisseur Éric Besnard im Premieren-Saal oder nach Bundesstart ab 21. September wann immer es passt. Weil es passt!