Körners Corner - schreiben über Film


10. April 2026

Gäste im Saal: Volker Koepp und Ulrich Seidl kommen

Es hat nicht sollen sein und jetzt doch! Geplant war die Dresden-Premiere von CHRONOS - FLUSS DER ZEIT im Kraftwerks-Zentralkino. Regisseur Volker Koepp (81) wollte auf Premierentour natürlich auch nach Dresden kommen, wo er gewohnt, sein Abi gemacht und studiert hat und bis heute Verwandte und Freunde leben. Er reiste mit dem Zug ... Doch, nein, an dieser Stelle kein Bahn-Bashing! Diesmal war der Eisenacher Bahnhof und der Weg von Köln durch äußere Umstände gesperrt. Volker Koepp kam nur bis Leipzig, die Premierengäste, die sich aufs Gespräch mit ihm gefreut hatten, mussten nur mit einem kleinen improvisierten Talk ohne ihn auskommen.
Die wunderbare Kooperation zwischen Zentralkino und Programmkino Ost ermöglichte jedoch in Windeseile, also noch am Abend, eine Alternative. Die einmalige CHRONOS-Vorführung am 16. April, 15.30 Uhr im PK Ost wird nun um ein Gespräch um 19 Uhr erweitert. Wer einem der wichtigsten deutschen Dokumentarfilmer, Schöpfer solch herausragender Werke wie HERR ZWILLING UND FRAU ZUCKERMANN, KURISCHE NEHRUNG, MEMELLAND und UCKERMARK oder der legendären WITTSTOCK-Filme, persönlich begegnen will, ist herzlich eingeladen. Der Eintritt nur zum Gespräch ist frei. Ich werde moderieren (wo es doch in den vergangenen Jahren nie mit einer Koepp-CORNER klappen wollte ...).
Kino kontrovers? Die dritte Ausgabe der von Harriet und Peter Meining kuratierten Reihe ist Ulrich Seidl gewidmet. Kontroverser also geht es nicht! Mehr noch: Um den Besuchstermin am 23. April, 19 Uhr herum gibt es endlich (!) eine ganze Reihe mit fünf ausgewählten Filmen des 73-jährigen Österreichers. Mehr zu Seidl und den Werken steht in den kurzen Texten auf der PKO-Website und im Papier-Flyer im Foyer. Nur so viel: Die Gelegenheit, direkt dabei zu sein, wenn Moderator Tobias Hülswitt einen der wirklich großen Individualisten des Weltkinos befragt, ist selten genug.
Noch ein Zitat zur Arbeit Ulrich Seidls mit Laien und, neben der Fiktion, im Dokumentarischen: „Ich arbeite mit Laien und mit Schauspielern zusammen, und es hat einen Grund, dass ich das tue. Laien sind mindestens so gut wie Schauspieler, da gibt es keinen Unterschied in der Inszenierung. Ich habe schon immer den Versuch gemacht, Bilder genau einzurichten, die Dinge quasi zurechtzurücken. Trotzdem ist es möglich, Schauspieler – egal ob professionell oder nicht – darin spielen zu lassen. Wenn mat beispielsweise Bilder hat, wo zwei oder vier Frauen miteinander sprechen, wie zum Beispiel bei PARADIES: LIEBE, dann ist diese Szene exakt eingerichtet. In diesem arrangierten Bild können die Damen frei reden. Beides ergänzt sich und die Szene wird, trotz der Künstlichkeit, dann auch dokumentarisch – weil die Frauen selbst natürlich agieren und die Sprache, die sie sprechen, eine natürliche ist … Alles ist inszeniert, selbst der reine Dokumentarfilm. Sobald man eine Kamera in die Hand nimmt und einschaltet, trifft man eine Entscheidung darüber, was und wie viel die Kamera aufnimmt und wann man sie wieder ausmacht. Filmen ist ein ununterbrochener Prozess, in dem man über Dinge entscheidet. Aber ich verstehe Dokumentarfilm nicht so, als wäre ich nicht dabei, sondern ich verstärke meine Mittel.“
Koepp und Seidl vor Ort – ihnen ein besonders herzliches Willkommen! Und Ihnen ...

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