Rückkehr nach Montauk

Regie: Volker Schlöndorff | Darsteller: Stellan Skarsgård, Nina Hoss, Susanne Wolff u.a.
Drama | Deutschland/Frankreich/Irland | 2017 | FSK: 0 | 106 min

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach seiner Verfilmung von „Homo Faber“ widmet sich Volker Schlöndorff erneut einem Werk seines Freundes Max Frisch. Dieser war kein Anhänger von Literaturverfilmungen und verhinderte zu seinen Lebzeiten die Verfilmung dieser sehr persönlichen Novelle. Erst der postume Rechteerwerb durch einen deutschen Produzenten ermöglichte es dem Oscar-Preisträger jetzt, eine eigene persönliche Geschichte aus der Vorlage zu machen.

Der in Berlin lebende Schriftsteller Max Zorn reist zu einer Buchpremiere nach New York, wo er seinen neuen Roman vorstellt. „Es gibt nur zwei Dinge, die im Leben zählen: die Dinge, die wir bereuen, getan zu haben, und die Dinge, die wir bereuen, nicht getan zu haben“, lautet die Kernthese seines neuen Werkes. Sie basiert auf der Erkenntnis, die er aus einer eigenen unglücklichen Liebesgeschichte gezogen hat. Vor fast zwei Jahrzehnten scheiterte seine Beziehung zu der jungen Ostdeutschen Rebecca, die es mittlerweile in New York zur erfolgreichen Anwältin gebracht hat. Max bereut inzwischen seine Entscheidung, sie verlassen zu haben. Als er bei seiner Lesung zufällig seinen früheren literarischen Mentor wiedertrifft, lässt er sich ihre Adresse geben und nimmt Kontakt auf in der leisen Hoffnung auf ein Revival ihrer Beziehung.
Doch Rebecca reagiert zunächst eher verhalten, lädt ihn aber überraschend einige Tage später ein, sie nach Montauk, dem kleinen Küstenstädtchen an der Spitze von Long Island zu begleiten, wo sie sich ein zum Verkauf stehendes Strandhaus ansehen möchte. Montauk hat für beide eine besondere Bedeutung, denn dort verbrachten sie damals eine glückliche Zeit miteinander.
Können die alten Gefühle wiederaufleben? Lassen sich falsche Entscheidungen in der Vergangenheit in der Gegenwart revidieren? Oder ist die große Liebe nur eine Illusion, verklärt in der Rückschau?

Stellan Skarsgard spielt Schlöndorffs Alter Ego als zwiespältige Figur, der leidenschaftlich einen Traum verfolgt, sich aber schließlich der Wirklichkeit stellen muss. Nina Hoss gibt die kühle, aber doch verletzliche Diva, die ihren Platz im Leben gefunden hat.

Wer Postkartenbilder vom malerischen Montauk erwartet, wird enttäuscht, denn Schlöndorff nutzt eher die raue Schönheit des Wind und Wetter ausgelieferten amerikanischen Küstenörtchens für die inneren Befindlichkeiten seiner Figuren. Das von ihm und Colm Tóibín gemeinsam erarbeitete Drehbuch setzt vor allem auf die Dialoge zwischen den Protagonisten. Schlöndorff verzichtet ganz bewusst auf eine 1:1- Umsetzung des autobiographischen Stoffes. Er adaptiert vielmehr die Grundsituation der Novelle - Frisch reist 1974 mit einer jungen Frau ein paar Tage an die amerikanische Ostküste und reflektiert über sein Leben und seine verflossenen Beziehungen - und vermengt sie mit eigenen Erfahrungen. Auch er trauert einer Frau nach, die er verlassen hat. Doch Schlöndorff geht es um mehr als um verpasste persönliche Chancen. Schmerzhafte Erinnerungen, Sehnsucht und das Vergehen der Zeit sind die Grundmotive, die er hier in einem kunstvollen Spiel zwischen Fiktion und Wirklichkeit umsetzt.

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