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Neo Rauch - Gefährten und Begleiter

Regie: Nicola Graef
Dokumentation/Kunst | Deutschland | 2017 | 105 min

Zum ersten Mal seit Jahren äußert sich der Leipziger Maler Neo Rauch in Nicola Graefs Dokumentation vor der Kamera, erlaubt es der Regisseurin, ihn beim Arbeiten zu beobachten, öffnet seine Bilder- und Gedankenwelten.

Neo Rauch ist ein introspektiver, ruhiger Maler. Mit größter Ruhe entwickelt er seine Gemälde, lässt seine typischen Bilderwelten, seine ganz spezielle Ikonographie von Gestalten, mal direkten, mal verstecken Verweisen, langsam entstehen und verbringt dabei wohl mehr Zeit damit, auf die Leinwand zu schauen und den nächsten Pinselstrich zu bedenken, als mit dem eigentlichen Malen.

Kein Wunder, dass er nur selten Interviews gibt, seine eigene Persönlichkeit in den Hintergrund stellt und seine Kunst sprechen lässt. Fast ein Wunder, dass es Nicola Graef gelungen ist, einen Film über Rauch zu drehen, in dem der Künstler sich nicht nur bei der Arbeit über die Schulter blicken lässt, sondern auch, man will nicht unbedingt sagen ausführlich, aber doch Einblick in sein Inneres gibt. Höchst überlegt, ruhig und meist in druckreifen Sätzen spricht Rauch da von seinem Schaffensprozess, von den oft surreal anmutenden Figuren, die sein Werk prägen, von Gestalten, die oft unbewusst oder im Traum entstehen, voller Symbolkraft und Doppeldeutigkeiten.

Zur Neuen Leipziger Schule wird Rauch gezählt, ist inzwischen einer der erfolgreichsten deutschen Gegenwartskünstler und wird vor allem in den USA hoch geschätzt. Einige Sammler Rauchs hat Graef in New York und Miami getroffen, die mit offensichtlichem Stolz ihre Penthouses öffnen, in denen die markanten Gemälde Rauchs ganze Wände einnehmen. Zu hören, wie diese amerikanischen Sammler ihre Begeisterung für Rauch beschreiben ist durchaus erhellend, auch wenn man sich fragt, welche Vorstellung von Deutschland sie haben müssen, um Rauch als quasi exemplarischen Deutschen wahrzunehmen.

Denn was ist das überhaupt, ein deutscher Künstler? Gibt es Verbindungslinien zwischen anderen der großen, berühmten deutschen Künstler der letzten 40, 50 Jahren, zwischen Beuys, Richter, Kiefer und eben Rauch? Eine intensive Beschäftigung mit der Vergangenheit, der deutschen Geschichte vielleicht, wobei Rauchs Ikonografie mindestens ebenso sehr von persönlichen Ereignissen und Schicksalsschlägen geprägt zu sein scheint, besonders dem frühen Tod der Eltern, die bei einem Eisenbahnunglück starben, als Rauch nur wenige Monate alt war, wie vom großen Ganzen.

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