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Elle

Niemand außer Isabelle Huppert, dieser tatsächlich furchtlosen Präzisionsschauspielerin, hätte diese Rolle so spielen können.

Regie: Paul Verhoeven | Darsteller: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny u.a.
Drama | Frankreich/Deutschland/Belgien | 2016 | FSK: 16 | 130 min

Gewinner beim diesjährigen Golden Globe als Bester nicht-englischsprachiger Film.

Michèle leitet eine erfolgreiche Videogame-Schmiede. Sie hat alles im Griff, ist souverän, spöttisch, effizient. Und das bleibt sie auch, nachdem sie in ihrem Haus von einem maskierten Eindringling brutal vergewaltigt wurde.

Wer nun einen simplen Rache-Thriller erwartet, liegt falsch. Denn Michèle handhabt ihre Situation nicht nur ohne Polizei, sondern auch mit der ihr eigenen Effizienz und Kaltblütigkeit.
Sie ist Drohungen und Anfeindungen gewohnt. Das hat mit ihrer Familiengeschichte zu tun, die langsam aufgerollt wird. Vor allem aber weigert sie sich, je die Kontrolle zu verlieren. Sie kauft Pfefferspray und einen Tomahawk, lässt alle Schlösser auswechseln und erzählt ihren Freunden im Restaurant eher beiläufig und sachlich, was passiert ist.

Es ist der Kontrast zwischen der Brutalität der Vergewaltigung und ihrer Reaktion darauf, welche zunehmend komische Momente erzeugt. Kommt der wahre Witz in großen Komödien vorwiegend vor Tragik zustande, ist es hier eine seltsame, erfrischende Übersteigerung der Gefasstheit, ja Coolness der Hauptfigur angesichts der Ereignisse, die sich nicht wirklich in einen Alltag integrieren lassen.

Paul Verhoeven hat sich seinen Namen mit Tabubrechern wie BASIC INSTINCT oder ROBOCOP gemacht. Nach mehr als 15 Jahren kehrt er zum Genrefilm zurück - und erhält für ELLE nach einer gefeierten Weltpremiere in Cannes, die vielleicht besten Kritiken seiner langen Karriere. Für einen Thriller, der provokant mit Opfer- und Täterrollen spielt, trotz des Themas erstaunlich humorvoll ist und auf jegliche Moralisierung verzichtet. Das verdankt Verhoeven nicht zuletzt Isabelle Huppert, die einer fast unmöglichen Rolle absolute Glaubwürdigkeit verleiht.
Das Drehbuch basiert auf dem preisgekrönten Roman "Oh..." von Philippe Djian.

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